Eine gezielte Selektion, im Sinne von Zuchtauswahl, gibt es in der Natur nicht, viel mehr beruht die sogenannte natürliche Auslese auf einem Schrotschussprinzip und dem Selektionsdruck. Das können Sie recht einfach erklären.
Das bedeutet Selektion
Erklären Sie zunächst, was Selektion bedeutet, und dann das Schrotschussprinzip:
Wenn Sie eine bestimmte Spezies betrachten, zum Beispiel Mäuse, dann liegt es auf der Hand, dass diese vielen Gefahren ausgesetzt sind, Sie können gefressen werden, zu wenig Nahrung oder Wasser finden und vieles mehr. Aufgrund dieser Faktoren entsteht eine natürliche Auslese, denn die Mäuse die besonders gut getarnt, besonders wachsam sind, besonders gut hören und sehen können, werden vermutlich nicht so leicht von einem Feind erwischt werden. Somit vermehren sich diese Mäuse häufiger, es wird mehr Mäuse geben, die diese Eigenschaften haben, sofern diese erblich bedingt sind. Bei anderen Tieren findet die Selektion über das Sexualverhalten statt, zum Beispiel, wenn die männlichen Tiere um die Weibchen kämpfen müssen oder die Weibchen die Männchen nach Eigenschaften wie Nestbau bzw. angeliefertes Futter auswählen. Schwächere oder weniger "kluge" Tiere sterben zwar nicht, aber Sie bekommen keinen Sexualpartner, vermehren sich also nicht. So können sich nur die Tiere fortpflanzen, die entsprechend gute Eigenschaften an die Nachkommen weitergeben können. Dabei kann es durch geänderte Umweltbedingungen auch zu einem veränderten Selektionsdruck kommen. Wenn sich zum Beispiel die Landschaft verändert, können plötzlich Mäuse mit einer Fellfarbe, die besser zur neuen Landschaft passt, nun eine bessere Chance haben, Raubtieren zu entkommen. So ändert nach und nach die gesamte Mäusepopulation die Farbe. Es entsteht der Eindruck, dass die Spezies sich gezielt der neuen Umwelt anpasst.
In Wirklichkeit sind die Änderungen so zufällig entstanden, wie die Löcher nach einem ungezielten Schrotschuss, also nach einem Schrotschussprinzip.
Das ist das Schrotschussprinzip
Angenommen Sie brauchen ein paar Löcher an einer bestimmten Stelle der Wand. Dann können Sie die Stellen markieren und genau dort ein Loch bohren. Also durch gezielte Selektion die Stelle durchlöchern, wo Sie das Loch brauchen. So läuft es in der Natur nicht ab. Die Mäuse überlegen zum Beispiel nicht, dass Sie nun besser helle Partner wählen statt Dunkle. Sie können die Löcher auch nach dem Schrotschussprinzip wahllos in die Wand bohren oder mit einem Schrotgewehr in die Wand schießen. Nach einiger Zeit haben Sie dann auch Löcher an der Stelle, an der Sie diese brauchen. Verwenden Sie unbrauchbare Löcher einfach nicht, nutzen Sie nur die Löcher, die Sie brauchen. Die Veränderungen der Erbmasse sind so zufällig wie die Löcher in Ihrer Wand, wenn Sie einfach darauf schießen. Die Mutationen entstehen also nach dem Schrotschussprinzip. So wie Sie die nützlichen Löcher verwenden, bewirken Umweltfaktoren, dass nur bestimmte Eigenschaften bestehen bleiben, weil die Tiere mit den unpassenden Eigenschaften sich nicht fortpflanzen können. In einer sandgelben Landschaft werden mehr Mäuse in dieser Farbe überleben als rote, schwarze, weiße oder dunkelbraune Tiere, also gibt es eine Selektion zugunsten dieser Farbe. In der Natur werden sich oft zwar die Veränderungen durchsetzen, die günstig sind, das bedeutet aber nicht, dass die Anderen komplett aussterben. So werden in dem Beispiel vermutlich auch weiße oder dunkle Mäuse ein paar Nachkommen haben. Ändert sich die Umwelt wieder, kann es sein, dass dann die dunkeln Mäuse den Vorteil haben und sich nun diese Farbe durchsetzt.
Das Schrotschussprinzip besagt nichts anders, als dass zufällige Änderungen in der Erbmasse durch den Selektionsdruck der Umwelt zu einer Selektion führen.