Haben Sie schon mal selbst Joghurt hergestellt oder Wein angesetzt? Dabei haben Ihnen Lebewesen geholfen, die ohne Sauerstoff auskommen, nämlich Bakterien und Hefepilze.
Sauerstoff - wofür man ihn braucht
Grundsätzlich unterscheidet man die äußere Atmung und die Zellatmung. Unter der äußeren Atmung versteht man die Sauerstoffaufnahme ins Blut mithilfe der Lungen. Das Blut transportiert Sauerstoff in die einzelnen Zellen. Dort wird Sauerstoff für die Energiegewinnung verwendet. Die Nahrung, die Sie zu sich nehmen, wird durch Stoffwechselreaktionen abgebaut; dabei wird durch Übertragung von Elektronen auf den Sauerstoff Energie für die Lebensvorgänge im Körper gewonnen. Dies ist die Zellatmung oder aerobe Energiegewinnung. Auch menschliche Zellen können unter bestimmten Bedingungen ohne Sauerstoff auskommen, z.B. Muskelzellen, die bei Sauerstoffmangel Energie durch Milchsäuregärung erzeugen können. Die Milchsäure in den Muskeln verursacht Muskelkater.
Anaerobe Organismen leben ohne Sauerstoff
Anaerobe Organismen gewinnen ihre Energie durch Gärung. Manche Lebewesen werden durch Sauerstoff gehemmt oder gar abgetötet; sie können nur unter Abwesenheit von Sauerstoff leben, man nennt sie deshalb obligat anaerob. Lebewesen, die sowohl mit Sauerstoff als auch durch Gärung Energie gewinnen können, bezeichnet man als fakultativ anaerob. Die Energiegewinnung mit Sauerstoff (aerob) liefert immer wesentlich mehr Energie als die anaerobe Gärung. Deshalb nutzen fakultativ anaerobe Organismen bevorzugt aerobe Atmung. Bei Sauerstoffmangel oder Abwesenheit von Sauerstoff schalten sie auf Energiegewinnung durch Gärung um. Die Milchsäurebakterien erzeugen bei ihrer anaeroben Energiegewinnung Milchsäure, ohne die Sie keinen Joghurt, keine Dickmilch oder Quark hätten. Auch Essigsäurebakterien, die aus Ethanol (im Wein) Essigsäure bilden, gehören zu den Anaerobiern. Hefepilze gewinnen Energie für ihre Lebensvorgänge durch die alkoholische Gärung, bei der aus Zucker Ethanol entsteht.