IP-Telefonie setzt sich als Ersatz für den klassischen analogen Telefonanschluss und ISDN immer mehr durch. Viele Kunden von Internet- & Telefon-Komplettpaketen nutzen bereits VoIP, ohne es zu wissen. Denn auf welchem Wege der Router, an den das Telefon angeschlossen ist, die Verbindung herstellt, ist nicht immer offensichtlich. In diesem Beitrag liefern wir Ihnen nützliche Tipps für IP-Anschlüsse.
Eine aus Kundensicht besonders praktische Sache an der IP-Telefonie ist die Nutzung der Festnetznummer samt dazugehörigem Tarif auch mit anderen Endgeräten – zum Beispiel PC, Tablet oder Smartphone. Als Standard für VoIP hat sich das Protokoll „SIP“ etabliert. Sie benötigen also nur eine entsprechende Software beziehungsweise App für Ihr Gerät. Für Windows-PC empfiehlt sich zum Beispiel das kostenlose Tool Phoner Lite . Für Android, iOS und Windows Phone 8 eignet sich Zoiper, das als Gratis-Download in den jeweiligen App Stores verfügbar ist. Welche Einstellungen Sie für die jeweiligen Provider treffen müssen, erfahren Sie im Folgenden. Einige Provider teilen Ihren Kunden die Zugangsdaten für VoIP allerdings nicht mit, sondern spielen sie nur per Fernkonfiguration auf den von ihnen zur Verfügung gestellten Router auf. In einigen Fällen ist es dann inoffiziell über teils komplizierte Umwege möglich, die Daten aus dem Router herauszukitzeln. Entsprechende Anleitungen finden sich im Internet per Suche nach „ auslesen“.
Im Folgenden beschreiben wir aber nicht nur für jeden großen Anbieter getrennt die VoIP-Konfiguration, sondern auch, wie Sie Einstellungen Ihres IP-Telefonie-Kontos bequem über den Web-Browser vornehmen. IP-Anschluss der Telekom übers Web konfigurieren
Besonders vielfältige Einstell-Möglichkeiten bietet die Telekom bei ihren IP-Anschlüssen. Ohne Aufpreis enthalten sind zudem zwei Sprachkanäle für paralleles Telefonieren und drei Rufnummern – auf Wunsch auch bis zu zehn. Um Einstellungen vorzunehmen, melden Sie sich im Telekom-Kundencenter mit Ihrer T-Online E-Mail-Adresse und dem dazugehörigen Passwort oder mit den Zugangsdaten aus Ihren Telekom-Vertragsunterlagen an. Dann wechseln Sie in den Bereich „Telefonie-Einstellungen“. Dort haben Sie die Wahl zwischen zahlreichen Optionen. Unter „Nummernanzeige“ legen Sie fest, ob und welche Ihrer Rufnummern bei ausgehenden Gesprächen permanent oder nur fallweise unterdrückt werden sollen. Entscheiden Sie sich für die Option „Individuelle Rufnummernanzeige erlauben“, wird die Rufnummer standardmäßig übertragen. Um sie für einen Anruf zu unterdrücken, setzen Sie beim Wählen *31# vor die Nummer Ihres Gesprächspartners.
In der Rubrik „Weiterleitung“ können Sie für jede Ihrer Nummern getrennt einstellen, dass eingehende Gespräche an eine andere Nummer weitergeleitet werden sollen, zum Beispiel an Ihr Handy. Die Weiterleitung wird je nach Wunsch immer sofort oder zeitverzögert oder bei besetzt aktiv. Beachten Sie, dass die Weiterleitung gemäß Ihrem Telefontarif berechnet wird.
Falls Sie nur für ausgewählte Anrufer erreichbar sein wollen, klicken Sie auf den Menüpunkt „Anrufer blockieren“. Hier können Sie einstellen, wer Sie anrufen darf - entweder über eine Positiv-Liste, oder indem bestimmte Anrufer abgeblockt werden. Damit man sich auch nicht per Rufnummernunterdrückung durchmogeln kann, gibt es die Option „Anonyme Anrufer blockieren“.
Auch ausgehende Gespräche lassen sich filtern. Über den Menüpunkt „Wahlsperre“ schränken Sie die Wahlfreiheit ein. Hier gibt es neben einer Positiv- und Negativliste auch einige vordefinierte Vorwahlen, die sich per Klick sperren lassen, zum Beispiel 0900, 0137 und 0180. Festnetznummer auf Smartphone & Co. verwenden
Der VoIP-Server (SIP-Proxy, Registrar und „Realm“) lautet tel.t-online.de , ist aber nur aus dem Telekom-IP-Netz erreichbar. Sie können Ihre IP-Telefonie-Nummern also in Ihrem eigenen Heimnetz und in dem von Freunden nutzen, wenn diese ebenfalls einen Internet-Zugang der Telekom besitzen. Es ist dabei nicht erforderlich, dass diese ebenfalls IP-Telefonie nutzen. Als Benutzernamen verwenden Sie Ihre T-Online-E-Adresse und das dazugehörige Passwort. Falls Sie dies noch nicht eingerichtet haben, holen Sie dies im Telekom-Kundencenter (siehe oben) nach. Als „STUN-Server“ tragen Sie in Ihrer VoIP-Software stun.t-online.de ein. Weitere Infos zur Einrichtung erhalten Sie auf dieser Telekom-Hilfeseite .
Die Telekom hat übrigens auch eine eigene VoIP-App mit dem Namen „Hometalk“ für Android und iOS im Sortiment: Sie ist über Google Play beziehungsweise Apples App Store kostenlos erhältlich. Tipps & Hinweise zur Routerwahl
Telekom-Router mit ISDN-Adapter nachrüsten: Als Ergänzung zu den Speedport-Routern W 724V, Entry und zukünftigen Modellen bietet die Telekom den Speedport ISDN Adapter zum Kaufpreis von 69,99 Euro an. Daran lassen sich ISDN-Telefone und kleine ISDN-Telefonanlagen anschließen.
Alternative Router mit VoIP-Telefonanlage: Welchen Router Sie mit Ihrem IP-basierten Telekom-Anschluss betreiben, bleibt grundsätzlich Ihnen überlassen. Allerdings bieten nur die Speedport-Router eine vollautomatische Einrichtungs-Funktion. Die Konfiguration zum Beispiel einer AVM Fritzbox ist aber auch schnell erledigt. Tipps dazu erhalten Sie direkt bei AVM . Möchten Sie ISDN-Geräte an Ihrem IP-Anschluss betreiben, kommen die Fritzbox 7390 und 7490 infrage, da sie über einen S0-Anschluss verfügen.
Wenn Sie von der Telekom auf einen „IP-basierten Anschluss ohne Splitter“ (Annex-J) umgeschaltet werden, sollten Sie sich bei älteren Routern davon überzeugen, dass das eingebaute Modem den DSL-Standard Annex J unterstützt. Möglicherweise fehlt Ihnen allerdings das passende Anschlusskabel, um den Router statt mit dem Splitter direkt mit der Telefon-Anschlussdose (TAE) zu verbinden. Dieses erhalten Sie von der Telekom kostenlos. Fragen Sie einfach an der Hotline (0800/3301000) oder in einem Telekom Shop nach einem „DSL-Kabel für den IP-basierten Anschluss“ beziehungsweise einem „Signaturkabel“.
Auf Vectoring-Kompatibilität achten: Wenn Sie VDSL mit 25, 50 oder 100 MBit/s nutzen (oder dies für die nähere Zukunft planen), sollten Sie darauf achten, dass das Modem Ihres Routers auch „Vectoring“-kompatibel ist. Ansonsten wird es, sobald Vectoring (für Anschlüsse mit bis zu 100 MBit/s) an Ihrem Standort verfügbar ist, auf 16 MBit/s heruntergeregelt, um die Modems Ihrer Nachbarn nicht zu stören.
Auf den folgenden Seiten erhalten Sie Tipps & Tricks zu den IP-Telefonanschlüssen von 1&1, O2, Easybell, Vodafone und Kabelanschluss-Anbietern. IP-Telefonanschluss von 1&1 übers Web konfigurieren
Im „ 1&1 Control-Center “ lassen sich Weiterleitungen auf andere Telefone einrichten. Eine Besonderheit ist die Funktion „Parallel-Call“: Sie können bis zu fünf beliebige Telefonnummern eintragen, die bei eingehenden Anrufen zusätzlich klingeln sollen. Wenn Sie das Gespräch an einem externen Telefon - zum Beispiel Ihrem Handy - entgegen nehmen, fallen allerdings die gleichen Gebühren an, als wenn Sie selber von zuhause aus dort angerufen hätten.
Rufnummernsperren lassen sich nur für ausgehende Gespräche und nur für bestimmte Vorwahlbereiche festlegen, zum Beispiel für 0900, 0118 und 0137.
Wenn Sie die „ISDN-Komfort-Option“ für 2,99 Euro im Monat gebucht haben, können Sie im Control Center bis zu 10 Rufnummern einrichten und diese separat konfigurieren. VoIP-Festnetznummer von 1&1 auf Smartphone & Co. benutzen
Die Serverdaten für die IP-Telefonie von 1&1 lauten sip.1und1.de (Registrar), 1und1.de (Realm) und stun.1und1.de („STUN-Server“). Der Benutzername setzt sich wie folgt zusammen: 49, also zum Beispiel 49891000123. Das Passwort für die erste Rufnummer finden Sie in den Vertragsunterlagen. Die Passwörter für die weiteren Rufnummern legen Sie jeweils bei deren Einrichtung fest. Weitere Infos erhalten Sie im 1&1-Hilfe-Center . IP-Telefonanschluss von O2 übers Web konfigurieren
Im Bereich „ Mein O2 “ gelangen Sie im Bereich „Vertrag verwalten -> Daten & Verträge -> Mein DSL & Festnetz -> Einstellungen“ zu den Festnetz-Einstellungen. Dort lassen sich ausgehende Rufnummernsperren für bestimmte vordefinierte Vorwahlen aktivieren, zum Beispiel 0900, 0137, 118, 0180 sowie für Mobilfunk- und Auslandsnummern. Allerdings wird die Einstellung laut O2 nicht sofort aktiv, sondern „in der Regel zum nächsten Werktag“. Neben der Nummernsperre lässt sich in den Festnetzeinstellungen noch die dauerhafte Unterdrückung der eigenen Rufnummer einrichten. VoIP-Festnetznummer von O2 auf Smartphone & Co. benutzen
Da O2 seinen Kunden die Zugangsdaten für die IP-Telefonie nicht mitteilt, können Sie Ihre Festnetznummer standardmäßig nur über die an Ihren Router daheim angeschlossenen Telefone nutzen. IP-Telefonanschluss von Easybell übers Web konfigurieren
Rufen Sie die Easybell-Homepage auf und klicken Sie rechts oben auf „Login“. Im Bereich „Telefonanlage -> Einstellungen“ finden Sie zu jeder Ihrer Nummern unter anderem die Menüeinträge „Rufnummernanzeige“, „Rufweiterleitung“ und „Sperrliste“. Zu den Einstellungen gelangen Sie über einen Klick auf das jeweils daneben stehende Schraubenschlüssel-Symbol.
Unter „Rufnummernanzeige“ gibt es die Besonderheit, dass Sie statt Ihrer eigenen Nummer auch eine beliebige andere übertragen können. Die Sperrliste können Sie jeweils für eingehende und ausgehende Gespräche konfigurieren. Sie bietet eine ähnliche Flexibilität wie die der Telekom (siehe Seite 1). Haben Sie bei Easybell zusätzliche Telefonnummern gebucht, können Sie eine oder mehrere in den „Faxmodus“ umschalten. Dann nimmt ein Faxserver alle Anrufe entgegen und leitet Ihnen die empfangenen Faxe als PDF an eine beliebige E-Mail-Adresse weiter. VoIP-Festnetznummer von Easybell auf Smartphone & Co. benutzen
Der Benutzername entspricht Ihrer Telefonnummer mit Vorwahl, wobei die erste Null durch „0049“ ersetzt wird und keine Leerzeichen oder Striche verwendet werden, zum Beispiel 0049891000123. Das dazugehörige Passwort erfahren Sie nach einem Login auf der Easybell-Homepage mit den Daten, die Ihnen Easybell bei Vetragsbeginn mitgeteilt hat. Als SIP-Server und Realm geben Sie jeweils „ sip.easybell.de “ ein. Der Eintrag eines „STUN-Servers“ ist nicht nötig. Für Android stellt Easybell die vorkonfigurierte App „Easybell – VoIP to go“ im Google Play Store kostenlos zur Verfügung. IP-Telefonanschluss von Vodafone übers Web konfigurieren
Wenn Sie zu Ihrem Vodafone-DSL-Zugang den „Komfort-Anschluss Plus“ für 4 Euro hinzugebucht haben, können Sie unter http://www.vodafone.de/meinvodafone im Bereich „MeinDSL & Festnetz -> Meine Produkte -> Sprache -> Konfiguration -> Anschlusseinstellungen“ unter anderem Rufumleitungen, paralleles Klingeln an einer beliebigen anderen Telefonnummer und Sperren für bestimmte Vorwahlen einrichten. Außerdem ist es möglich, die dauerhafte Rufnummernunterdrückung einzuschalten. VoIP-Festnetznummer von Vodafone auf Smartphone & Co. benutzen
Vodafone-Kunden mit „Komfort-Anschluss Plus“ erhalten bei Vertragsbeginn ein Schreiben, das detaillierte Infos zu den VoIP-Daten und Serveradressen enthält. Bei allen anderen Kunden, die keinen analogen oder ISDN-Anschluss von Vodafone besitzen, werden die Zugangsdaten bei der Erstinstallation an den Router übertragen. IP-Telefonanschluss von Kabelanschluss-Internet übers Web konfigurieren
Kabel Deutschland und Unitymedia, die beiden größten Anbieter von Internet- und Telefonanschlüssen per TV-Kabel, bieten keine Möglichkeit, die Telefonoptionen über eine Web-Oberfläche einzustellen. VoIP-Festnetznummer von Kabelanschluss-Internet auf Smartphone & Co. benutzen
Für Telefonie über den Kabelanschluss kommen – vor allem historisch bedingt – normalerweise andere Protokolle für den Rufaufbau zum Einsatz. Sie sind zwar ähnlich zum SIP-Protokoll, aber nicht kompatibel. Eine Ausnahme besteht jedoch dann, wenn man von seinem Anbieter eine Fritzbox mit integriertem Kabelmodem erhalten hat. Da diese in puncto Telefonie ausschließlich SIP beherrschen, richten die Provider auch einen entsprechenden Zugang ein.
Benutzernamen und Passwort teilen sie Ihnen aber nicht mit, sondern senden sie per Fernkonfiguration an die Box, nachdem sie der Benutzer zum ersten Mal ans Kabelnetz angeschlossen hat. Im inoffiziellen Kabel Deutschland-Forum erhalten Sie eine Anleitung, die erklärt, wie sich die VoIP-Zugangsdaten aus der Fritzbox auslesen lassen. Beachten Sie jedoch, dass Sie sich nur innerhalb des IP-Netzes des jeweiligen Kabelnetzbetreibers mit seinem VoIP-Server verbinden können.