Im Kampf gegen den weltweiten Terrorismus will Microsoft seine Dienste nicht mehr Terroristen zur Verfügung stellen. Möglicherweise gibt es eine Photo-DNA bald auch für Terrorinhalte.
Der Softwarekonzern Microsoft will mit neuen Vorgaben die Verbreitung von terroristischen Inhalten auf seinen Onlinediensten eindämmen. Demnach sollen die Nutzungsbedingungen so ergänzt werden, dass das Abspeichern von terroristischen Inhalten auf den Verbraucherdiensten ausdrücklich verboten werde, teilte Microsoft in einem Blogbeitrag am Freitag mit. Bislang seien nur Hassbotschaften und die Verherrlichung von Gewalt untersagt. Von Terroristen könnten beispielsweise Microsofts Clouddienste Onedrive und der E-Mail-Dienst Hotmail genutzt werden, aber auch Produkte wie Xbox Live, Skype, Docs.com, Sway oder Outlook. Zudem will das Unternehmen terroristische Inhalte von den Seiten nehmen, wenn diese von Behörden oder besorgten Bürgern gemeldet würden. Dazu gibt es ein eigenes Online-Formular. Links zu Seiten mit terroristischen Inhalten sollen bei Microsofts Suchmaschine Bing nur dann entfernt werden, wenn Suchmaschinenanbieter in bestimmten Ländern gesetzlich dazu verpflichtet seien. Kampf gegen terroristische Propaganda
Microsoft räumt in seinem Beitrag ein, dass es keine allgemein definierte Definition von terroristischen Inhalten gebe. Für seine eigenen Dienste betrachtet Microsoft terroristische Inhalte als Material, das von oder zur Unterstützung von Organisationen hochgeladen wird, die auf der rund 150-seitigen Sanktionsliste des UN-Sicherheitsrates stehen. Zu dem Material zählen demnach die grafische Darstellung von Gewalt, Aufrufe zu Gewalt, die Unterstützung terroristischer Organisationen und deren Aktionen sowie die Ermunterung, solchen Gruppen beizutreten.
Inwieweit solche Richtlinien hilfreich sind, um Terrorismus zu bekämpfen, bleibt fraglich. So räumt Microsoft selbst ein, "keine der führenden sozialen Netzwerke oder Videoplattformen zu betreiben". Zudem dürften Terroristen selbst vorsichtig genug geworden sein, um Dienste wie Onedrive oder Hotmail nicht unverschlüsselt zu benutzen. Ohnehin sollen sie angeblich meist über verschlüsselte Messengerdienste kommunizieren. Die Initiative von Microsoft zielt daher vornehmlich darauf ab, mögliche Propaganda von und für Terrororganisationen zu unterbinden. Automatische Erkennung von Terrorinhalten
Dabei sieht sich der Softwarekonzern aber auf der anderen Seite verpflichtet, die Privatsphäre der Nutzer, das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie den Zugang zu Informationen zu gewährleisten. Anstatt Links auf zweifelhafte Inhalte zu entfernen, soll auf Bing daher eine Art Gegenpropaganda gefördert werden. "Wir sondieren neue Partnerschaften mit Nichtregierungsorganisationen, um öffentliche Werbespots mit Links zu aufmunternden Botschaften und Gegenerzählungen bei einigen Suchanfragen zu terroristischem Material anzuzeigen", hieß es weiter.
Zu guter Letzt will Microsoft mit technischen Mitteln das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Löschung und Wiederveröffentlichung von Inhalten beenden. Professer Hany Farid vom Dartmouth College soll dazu eine Technik entwickeln, die die Identifizierung von offensichtlich terroristischen Inhalten im Netz erleichtern soll. Möglicherweise könnte die von Microsoft entwickelte Technik der Photo DNA, die beispielsweise zur Bekämpfung von Pädokriminalität eingesetzt wird, künftig zum Erkennen von terroristischem Propagandamaterial genutzt werden. Microsoft ist auch einer Initiative beigetreten, um den Missbrauch von Internetplattformen durch Terroristen zu bekämpfen.
Der US-Regierung ist es schon seit längerem ein Anliegen, die US-amerikanischen IT-Konzerne im Kampf gegen den Terrorismus stärker einzubinden. Dazu gab es beispielsweise zu Beginn dieses Jahres ein hochkarätig besetztes Treffen im Silicon Valley. Auf der Tagesordnung stand beispielsweise die Frage, "wie wir es Terroristen erschweren können, das Internet für ihre Zwecke zu missbrauchen".